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<  Tipps und Erfahrungsberichte  ~  Meine Erfahrung mit ILS und Alternativen

BeitragVerfasst: Di 14.12.2010 12:09
Schaut mal vorbeiSchaut mal vorbeiBeiträge: 14Registriert: So 02.12.2007 15:05
Liebe Fernabiturienten,

an anderer Stelle habe ich bereits geschrieben: Ich beende mein Projekt "Fernabitur"! Das heisst, es ist auch Zeit für ein Resumee :-)

Vorteile:

Der ungeschlagene Vorteil ist wirklich, dass man zu Hause lernen kann. Leider warten dort auch : Fernseher, Internet, Bücher, Badewanne.....Ablenkung ist groß. Falls man lieber weniger mit anderen Menschen zu tuen haben will, ist das einfach ideal!

Ein weiterer Vorteil ist, dass die ILS ihren Kunden ein RUNDUM-SORGLOS-Paket bietet. Also von der Anmeldung bei den Behörden bis zur Prüfung wird man am Händchen geführt. Das gibt ein großes Plus.

Nachteile:

-Der Preis!!!! Das RUNDUM-SORGLOS-Paket will auch bezahlt werden.

-Wer nicht gerade in Hamburg oder Umgebung wohnt, muss lange Fahrtzeiten zu Seminaren und den Prüfungen in Kauf nehmen ( auch hier Kosten!! und Urlaubsfresser!)

-Die Wenigsten schaffen den Kurs in den angegebenen 30 Monaten. Dieser Zeitraum ist für die meisten unerreichbar.

- Informationen zu neuen Heften muss man sich meist selbst suchen......

- Didaktisch sind die meisten Hefte für den Müll.....Sekundärliteratur ist unumgänglich!!

Mein Fazit: wer die Möglichkeit hat ein (Abend)kolleg zu besuchen, oder die Schule regulär zu beenden, sollte diese Chance wahrnehmen. Trotzdem muss ich sagen, dass ich grundsätzlich das Fernabitur nicht ablehnen würde! Die Vorteile liegen auf der Hand ( s. o.)! Die letzte Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen!! Wichtig ist meiner Meinung nach immer, sich ganz kritisch mit der ganzen Sache auseinanderzusetzen und dann voll und ganz dahinter zu stehen!!! Nur dann hat man Erfolg!!

Nun zu den Alternativen.
Und hier möchte ich euch nicht die Alternativen zur Abiturvorbereitung vorstellen, die damit hat sich jeder Einzelne bereits auseinander gesetzt, oder ? :wink:

Seit diesem Sommer gibt es ein neues Hochschulzugangsgesetz. Dieses vereinfacht den Zugang für Meister und beruflich Qualifizierte. Ohne Abitur!

Wer bereits eine Ausbildung abgeschlossen hat und mind. 2-3 Jahre gearbeitet hat, hat die Möglichkeit direkten Zugang zu einem berufsnahen Studiengang zu erhalten. Wer einen nicht berufsnahen Beruf/ Ausbildung hat, hat die Möglichkeit eine Zugangsprüfung abzulegen.

Hier mal die Informationen dazu!
[url]http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=3578/url]

Natürlich ist das keine Alternative für Jeden! Wer aber genau weiß, was er machen möchte sollte auch diese Möglichkeit in Betracht ziehen, bevor man 3-4 Jahre Fernabitur hinter sich bringt. Gerade wenn man schon einige Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hat, ist man ja meistens auch nicht mehr der/die Jüngste :-)

Viel Spaß beim Informieren! Bei Rückfragen stehe ich gerne zu Verfügung! Ebenso die Unis! Meine Erfahrung zeigt, dass die meisten Unis sehr positiv auf Bewerber reagieren und schnell und kompetente Hilfte anbieten!!!

liebe Grüße,

Miriam


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BeitragVerfasst: Mi 15.12.2010 08:17
BenutzeravatarExtrem engagiertExtrem engagiertBeiträge: 629Wohnort: NRWRegistriert: Di 13.03.2007 16:12
Hallo Miriam,

miriam hat geschrieben:
Ein weiterer Vorteil ist, dass die ILS ihren Kunden ein RUNDUM-SORGLOS-Paket bietet. Also von der Anmeldung bei den Behörden bis zur Prüfung wird man am Händchen geführt. Das gibt ein großes Plus.


Darüber lässt sich wahrscheinlich streiten, ich denke bei einem Rundum-Sorglos-Paket an "ich muss nur die Hefte bearbeiten, dann ist alles ok". Das ist es aber nicht. Es ist Eigeninitiative gefordert, ohne geht es nicht.

miriam hat geschrieben:

- Didaktisch sind die meisten Hefte für den Müll.....Sekundärliteratur ist unumgänglich!!


Das stimmt nicht. Die Mathehefte sind didaktisch echt unter aller Sau (die werden aber auch gerade überarbeitet), die anderen Hefte finde ich durchaus gut bis sehr gut!

Sekundarliteratur ist wirklich unumgänglich, für mich in Mathe und vor allem in den Leistungskursen. Aber viele Fernschüler machen es sich auch extra schwer indem sie schon in der Sek I unendlich viel Zeit in Sekundarliteratur stecken.


miriam hat geschrieben:
Mein Fazit: wer die Möglichkeit hat ein (Abend)kolleg zu besuchen, oder die Schule regulär zu beenden, sollte diese Chance wahrnehmen. Trotzdem muss ich sagen, dass ich grundsätzlich das Fernabitur nicht ablehnen würde! Die Vorteile liegen auf der Hand ( s. o.)! Die letzte Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen!! Wichtig ist meiner Meinung nach immer, sich ganz kritisch mit der ganzen Sache auseinanderzusetzen und dann voll und ganz dahinter zu stehen!!! Nur dann hat man Erfolg!!


Das kann ich so unterschreiben. :D



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BeitragVerfasst: Mi 15.12.2010 18:31
Schaut mal vorbeiSchaut mal vorbeiBeiträge: 14Registriert: So 02.12.2007 15:05
Hallo Zusammen,

also mit dem Rundum-sorglos-Paket habe ich natürlich nicht gemeint, dass man sich nicht um weitere Literatur kümmern sollte, sondern das einem der große, bürokratische Aufwand eines Externenabiturs abgenommen wird.
Und das ist einiges wert! :wink: Wer versucht in NRW das Externenabitur abzulegen, weiß wovon ich spreche :-)

Was die Didaktik angeht, da habe ich mich vielleicht falsch ausgedrückt: also, meiner ganz persönlichen Meinung nach sind die meisten Hefte bei der ILS schlecht aufgebaut. Über die Mathehefte brauchen wir, glaube ich, nicht zu diskutieren. Bei vielen anderen Heften ist mir aufgefallen, dass der Lese und Lernfluss durch viele Nebeninformationen gestört wird und die Wissensschwerpunkte weniger Beachtung finden ( Geo, SoWi, Bio). In Chemie sind die Hefte viel zu oberflächlich gestaltet.

Ohne von meinem oben gefassten Fazit abzuweichen, möchte ich aber auch mal sagen, dass bei dem Preis, den man für diesen Kurs zahlt EIGENTLICH alle relevanten Informationen in den Heften enthalten sein müsste. Meiner Meinung nach sollte Sekundärliteratur ein KANN, aber kein MUSS sein. Daran sollten die Fernlerninstitute noch arbeiten.

Liebe Grüße,
Miriam


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BeitragVerfasst: Mi 15.12.2010 23:38
BenutzeravatarExtrem engagiertExtrem engagiertBeiträge: 348Registriert: Di 26.06.2007 00:15
miriam hat geschrieben:

Ohne von meinem oben gefassten Fazit abzuweichen, möchte ich aber auch mal sagen, dass bei dem Preis, den man für diesen Kurs zahlt EIGENTLICH alle relevanten Informationen in den Heften enthalten sein müsste. Meiner Meinung nach sollte Sekundärliteratur ein KANN, aber kein MUSS sein. Daran sollten die Fernlerninstitute noch arbeiten.



Nach meiner Erfahrung sind alle relevanten Informationen in den Heften enthalten, natürlich oft in "gedrängter" Form (ich beziehe dies jetzt auf die von mir gewählten Fächer; zu Chemie z.B. kann ich nix sagen). Und ich hätte auch überhaupt kein Interesse daran, doppelt so viele oder weitaus dickere Lehrbriefe zu bekommen, weil man spätestens dann vor lauter Informationen kein Land mehr sehen würde. Außerdem würden die Lehrgänge dann nicht nur (noch) länger dauern, sondern auch wesentlich teurer werden. Deshalb müssen die Fernlehrinstitute (und deren Teilnehmer) diesbezüglich auch gewisse Kompromisse machen und eine Art Mittelweg finden.

Richtig ist: Wer einen Schnitt von, 1,x anstrebt, der ist gut beraten, sich gelegentlich auch mal in Sekundärliteratur zu vertiefen. Das müssen (Abend-)Gymnasiasten u.ä. aber auch. Wer überdurchschnittlich gut abschneiden will, der muss immer etwas mehr machen als jemand, der sich möglicherweise nur sagt: "Hauptsache bestanden!" Und was das Bestehen einer Nichtschülerprüfung betrifft, dazu reicht das ILS-Fernunterrichtsmaterial allemal; jedenfalls wenn man seine Prüfung in Hamburg ablegen will - und in der (staatlichen) Prüfung nicht die Nerven verliert. Wer natürlich unter enormen Prüfungsängsten leidet, seine Aufgabenlösungen vorher größtenteils über Ebay oder irgendwelche Dritte bezogen hat (solche Idioten soll's ja geben), der wird es immer schwer haben. Er hätte es mit seinem "Spickzettel-Wissen" aber auch in jeder anderen Prüfung nicht leicht.

Deine Kritik an den Mathe-Lehrbriefen halte ich für berechtigt. Die Hefte zur Linearen Algebra wurden jedoch inzwischen komplett überarbeitet - und sie sind recht gut gelungen. Zu den Stochastik-Lehrbriefen kann ich noch nix sagen, denn diese erhalte ich erst mit der nächsten Sendung. Stochastik ist aber - zumindest bezogen auf den Mathe-Grundkurs und das ILS - relativ entbehrlich.

Dass das Lehrbriefmaterial des ILS "Müll" sei, halte ich für eine unzulässige Verallgemeinerung (solche Aussagen sind wirklich nicht dazu angetan, zum Ansehen des Fernunterrichts beizutragen bzw. die Sache objektiv darzustellen). Die meisten Hefte sind m.E. ganz o.k. und entsprechen durchaus den Anforderungen an ein eigenverantwortliches Lernen - und zwar sowohl inhaltlich als auch didaktisch. Natürlich ist nicht alles perfekt. Nur: Sind Schulbücher denn immer perfekt?

Dass man sich bei Neuauflagen von Lehrbriefen o.ä. ständig selbst informieren muss, d.h. diese aktuellen Lehrbriefe nicht ganz automatisch von den Fernschulen zugeschickt bekommt, halte ich auch für etwas ärgerlich. Aber wer suchet, der findet. Und mit ein wenig Initiative, die man bei Fernunterrichtsteilnehmern eigentlich voraussetzen darf, kommt man an die neuen Materialien in der Regel auch ran. Nach meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sich das ILS da nicht groß querstellt.

8)



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BeitragVerfasst: Do 16.12.2010 18:35
Schaut mal vorbeiSchaut mal vorbeiBeiträge: 14Registriert: So 02.12.2007 15:05
Hallo Zusammen,

Das mal vorweg: Wenn einem in diesem Forum schon jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, dann bitte richtig. Ich habe nicht gesagt: jedes Heft ist Müll, sondern didaktisch sind die meisten Hefte für den Müll. Ein kleiner aber feiner Unterschied :wink:
Wie es mit dem Inhalt aussieht ist ja noch mal eine andere Sache.

Aber wie schon gesagt:
Zitat:
Was die Didaktik angeht, da habe ich mich vielleicht falsch ausgedrückt: also, meiner ganz persönlichen Meinung nach sind die meisten Hefte bei der ILS schlecht aufgebaut
. Niemand muss meine Meinung teilen.

Natürlich ist nicht jedes Heft schlecht und kein Schulbuch dieser Welt perfekt :-)
Leider gab es nur wenige Ausnahmen an Heften, bei denen ich mit der Didaktik zufrieden war. Hier ist zum Beispiel Geo zu nennen: diese Hefte finde ich unübersichtlich ( also didaktisch nicht gerade super, aber der eigentliche Inhalt war zielgerichtet und themenbezogen).

Ich stelle einfach fest:Ohne Hefte und nur mit Sekundärliteratur wäre ich schneller gewesen.

Was mich ganz konkret stört ist, dass ich mir aus 60 Seiten Heft wenige, konkrete Informationen raussuchen muss. Also nicht, dass Informationen in zu "gedrängter Form" zu Verfügung stehen, sondern in zu gestreckter. Und das verlängert meinen Kurs. Nicht mehr und besser verpackte Infos!

Ich, und auch einige, mit denen ich während dieses Kurses intensiv zusammengearbeitet und gesprochen habe, würden uns wünschen, dass es nicht nur einfach mehr Informationen in den Heften geben würde, sondern die Hefte eine neue Form erhalten würden. Orientieren könnte man sich zum Beispiel an den Stark- Heften und den Mathe Büchern von Dörsam. Dazu noch ein paar konkrete Beispiele und Eas, die mit konkreten Fragestellungen und Abi abiähnlichen Aufgabenstellungen die Informationen als Transferleistung abfragen.

So würde ich mir das perfekte Lernheft vorstellen. :wink:

Was das Thema Sekundärliteratur angeht, so kann ich da nur wiedersprechen. Vielleicht reichen die Informationen in den Heften um die Eas zu machen. Um aber in allen Fächern die Prüfung zu bestehen, benötigt man Sekundärliteratur. Das wird einem auch ganz dringend auf dem Oberstufenseminar ans Herz gelegt. Und dort wird ganz konkret gesagt: Die Informationen in den Heften reichen nicht aus!! ( Und da geht es nicht nur um 1,x Schnitt). Ausnahmen in bestimmten Fächern gibt es bestimmt. Ebenso die Menschen die mit einen "gerade-so-Abi" durchkommen, oder sich durchmogeln. Sind aber nicht die Regel.

Ich vertrete den Standpunkt, dass die ILS eine Dienstleistung darstellt. In vielen Punkten macht sie das sehr gut ( Betreuung, Organisation, Bürokratie für den Kunden auf ein Minimum reduzieren). In anderen macht sie das schlecht. Wie meiner Meinung nach in den Lehrbriefen. Denn ich bezahle für eine Leistung, die ich nicht für ausreichend halte ( die Lehrbriefe) und muss dann noch zusätzliche Mittel aufwenden um mir mit Sekundärliteratur das Wissen anzueignen, für das ich eigentlich schon bezahlt habe. In dem Fall bin ich einfach ein kritischer Kunde.

Und so sehe ich das auch bei diesem Thema:
Zitat:
Und mit ein wenig Initiative, die man bei Fernunterrichtsteilnehmern eigentlich voraussetzen darf, kommt man an die neuen Materialien in der Regel auch ran. Nach meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sich das ILS da nicht groß querstellt.


Ich sage nicht, dass man einen Fernschüler von jeder Eigeninitiative entbinden soll, aber hier nehme ich eine ( kostenintensive) Leistung in Anspruch und da gehört für mich dazu, dass ich von Änderungen im Lehrplan ( also in unserem Fall in den Lehrheften) informiert werde. Das ich diese dann bekomme, ohne das sich das Institut querstellt, sehr ich da nur als selbstverständlich an!

Auch hier kann ich aber sagen, dass ich auch diese Erfahrung gemacht habe: Wenn man die neuen Hefte anfordert, kommen sie recht schnell ins Haus geflattert! :P

Liebe Grüße und einen schönen Abend,

Miriam


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BeitragVerfasst: Do 16.12.2010 23:02
BenutzeravatarExtrem engagiertExtrem engagiertBeiträge: 348Registriert: Di 26.06.2007 00:15
miriam hat geschrieben:

Nun zu den Alternativen.
Und hier möchte ich euch nicht die Alternativen zur Abiturvorbereitung vorstellen, die damit hat sich jeder Einzelne bereits auseinander gesetzt, oder ? :wink:

Seit diesem Sommer gibt es ein neues Hochschulzugangsgesetz. Dieses vereinfacht den Zugang für Meister und beruflich Qualifizierte. Ohne Abitur!

Wer bereits eine Ausbildung abgeschlossen hat und mind. 2-3 Jahre gearbeitet hat, hat die Möglichkeit direkten Zugang zu einem berufsnahen Studiengang zu erhalten. Wer einen nicht berufsnahen Beruf/ Ausbildung hat, hat die Möglichkeit eine Zugangsprüfung abzulegen.

Hier mal die Informationen dazu!
[url]http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=3578/url]

Natürlich ist das keine Alternative für Jeden! Wer aber genau weiß, was er machen möchte sollte auch diese Möglichkeit in Betracht ziehen, bevor man 3-4 Jahre Fernabitur hinter sich bringt. Gerade wenn man schon einige Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hat, ist man ja meistens auch nicht mehr der/die Jüngste :-)



Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass es solche Möglichkeiten auch an diversen Fernfachhochschulen (z.B. bei der AKAD) gibt. Dort gibt es für Nichtabiturienten, die alternativ über eine einschlägige Berufsausbildung und/oder Berufspraxis verfügen, ebenfalls die Chance zum Studium. Allerdings müssen dann in der Regel zunächst bestimmte (Vor-)Kurse absolviert werden, welche Bewerber ohne (Fach-)Hochschulreife in den Fächern fit machen, die man fürs spätere Studium benötigt, so z.B. in (Wirtschafts-)Englisch und (Wirtschafts-)Mathematik. Darüber hinaus gibt es auch Eignungsprüfungen. Aber auch auf die muss man sich vorbereiten. Und wenn man nicht das erforderliche theoretische Wissen hat, benötigt es ebenfalls Zeit, sich dieses (vorher) anzueignen.

Es funktioniert nämlich keineswegs so reibungslos, von einem Haupt- oder Realschulabschluß in Verbindung mit einer einschlägigen Berufsausbildung/Berufspraxis "mal eben" zu studieren. Man sollte auch immer bedenken, dass selbst ein nicht unerheblicher Teil von (Fach-)Abiturienten heute nicht mehr die erforderlichen Grundlagen mitbringt, um erfolgreich eine (Fach-)Hochschulausbildung zu durchlaufen. Die hohe Zahl von Studienabbrechern (in Fächern wie Maschinenbau oder Elektrotechnik nicht selten > 50%) spricht eine deutliche Sprache.

Reine Uni-Studiengänge wie Jura, Medizin, Psychologie, Natur-, Geistes- und Kulturwissenschaften sind für Nichtabiturienten (selbst wenn sie über die gebotene Berufspraxis verfügen) nach wie vor wenig bis gar nicht zugänglich. Das hängt aber auch damit zusammen, dass es gerade für diese Fächer sehr viele Studienplatzbewerber mit Abitur gibt. Und selbst von denen werden nicht alle sofort genommen (wegen NC usw.).

Drei bis vier Jahre in einen Abiturlehrgang zu investieren kann sinnvoller sein, als ohne Abitur zu studieren, dann aber nach 3-4 Jahren abzubrechen, weil man den Anforderungen eines Studiums nicht gerecht wird, weil es vorne und hinten nicht reicht. Denn das, was man auf den Berufs-/Meisterschulen und auch im Beruf lernt, reicht - was die rein theoretischen Anforderungen betrifft - in keinem Fall als Grundlage aus, um damit eine Hochschulausbildung zu starten. Es müssen von Nichtabiturienten in jedem Fall zusätzliche Kurse absolviert werden (was wiederum Zeit kostet). Oft genug übrigens schon von Abiturienten. Ich kenne einen Fall, der hat auf dem Abendgymnasium (nebenberuftlich) ein gutes Abitur gemacht. Jetzt studiert er in Münster Klassische Archäologie - und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Seine Fremdsprachenkenntnisse reichen nicht. Er hatte im Abitur "nur" Englisch und Französisch, braucht fürs Studium aber auch Latein, Griechisch und Italienisch. Das muss er jetzt während des Studiums nachmachen. Und das kostet zusätzlich Zeit, Kraft und Nerven. Als Nichtabiturient hätte er es aber sicher noch schwerer, wahrscheinlich wäre es aber völlig unmöglich.

Richtig ist: Absolventen des 2. Bildungsweges sind für gewöhnlich deutlich älter als Schulabsolventen. Drum halte ich es auch für relativ kühn, wenn man z.B. mit 28 Jahren noch ein Studium beginnen will, das man eventuell erst mit Mitte Dreißig abschließt. Zumal der heutige Arbeitsmarkt nach 25jährigen Hochschulabsolventen ruft und alles, was über 30 ist, oft schon "rein biologisch" durchs Raster fällt. Wer natürlich mehr für sich selber studiert, um seinen geistigen Horizont zu erweitern, der kann/soll es meinetwegen machen. Denn zum Lernen ist man im Prinzip nie zu alt. Das ist ein lebenslanger Prozess.

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BeitragVerfasst: Do 16.12.2010 23:40
BenutzeravatarExtrem engagiertExtrem engagiertBeiträge: 629Wohnort: NRWRegistriert: Di 13.03.2007 16:12
longlife hat geschrieben:
Richtig ist: Absolventen des 2. Bildungsweges sind für gewöhnlich deutlich älter als Schulabsolventen. Drum halte ich es auch für relativ kühn, wenn man z.B. mit 28 Jahren noch ein Studium beginnen will, das man eventuell erst mit Mitte Dreißig abschließt. Zumal der heutige Arbeitsmarkt nach 25jährigen Hochschulabsolventen ruft und alles, was über 30 ist, oft schon "rein biologisch" durchs Raster fällt. Wer natürlich mehr für sich selber studiert, um seinen geistigen Horizont zu erweitern, der kann/soll es meinetwegen machen. Denn zum Lernen ist man im Prinzip nie zu alt. Das ist ein lebenslanger Prozess.

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Sorry aber das stimmt nicht. Ich werde mein Studium (voraussichtlich) mit Ende 30 abschließen und stehe dem Arbeitsmarkt dann noch reguläre 37 Jahre zur Verfügung. Also ungefähr mein gesamtes bisheriges Leben noch mal. Wie kann es da "kühn" sein in dem Alter "noch" studieren zu wollen? Oder zu behaupten das man dann eher für sich selbst studieren sollte?

Die demographische Lage ändert sich doch ohnehin gerade und muss sich auch ändern. Denn aufgrund der weiterhin (seit Jahrzehnten) geringen Geburtenzahlen können es sich Arbeitgeber in Zukunft nicht mehr leisten nur nach 25jährigen HS-Absolventen zu schauen.

Ich als Personaler kann nur sagen das die großen internationalen Unternehmen schon eine ganze Weile umdenken. Menschen mit Rückgrat werden immer gerne genommen, auch und vor allem die, die sich ihre Ziele hart (und alleine) erkämpft haben. Keiner Fernabiturient egal welchen Alters (ausgenommen vielleicht kurz vor der Rente) sollte sich darüber Gedanken machen. Die meisten werden das nämlich auch nicht müssen.

Im Übrigen fallen 25jährige HochschulabsolventINNEN deutlich häufiger durchs "rein biologische" Raster als die Mitte bis Ende 30jährigen :wink:.



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BeitragVerfasst: Fr 17.12.2010 15:31
Schaut mal vorbeiSchaut mal vorbeiBeiträge: 14Registriert: So 02.12.2007 15:05
Hallo Zusammen,

Zitat:
Es funktioniert nämlich keineswegs so reibungslos, von einem Haupt- oder Realschulabschluß in Verbindung mit einer einschlägigen Berufsausbildung/Berufspraxis "mal eben" zu studieren. Man sollte auch immer bedenken, dass selbst ein nicht unerheblicher Teil von (Fach-)Abiturienten heute nicht mehr die erforderlichen Grundlagen mitbringt, um erfolgreich eine (Fach-)Hochschulausbildung zu durchlaufen. Die hohe Zahl von Studienabbrechern (in Fächern wie Maschinenbau oder Elektrotechnik nicht selten > 50%) spricht eine deutliche Sprache.


Aber gerade das ist doch die Argumentation, warum die Hochschulen dieses neue Zugangsgesetz begrüßen. Studenten, die schon eine gewisse Berufserfahrung haben und wissen, wohin sie wollen haben einen wesentlich höhere Motivation. Vorallem wenn du ein Fach studierst, dass deinem Beruf nahe kommt ( oder auf diesem aufbaut), verschaffst du dir durch dein Vorwissen einen guten Vorsprung. Ich denke übrigens nicht, dass man nur weil man sein Abitur geschafft hat besser für ein Studium qualifiziert bist als ein Realschüler mit Ausbildung und Berufserfahrung. Wenn man ein Studium beginnt fängt man eh bei jedem Fach bei Null an. Selbst grundlegende Mathekenntnisse werden wiederholt!

Zitat:
Reine Uni-Studiengänge wie Jura, Medizin, Psychologie, Natur-, Geistes- und Kulturwissenschaften sind für Nichtabiturienten (selbst wenn sie über die gebotene Berufspraxis verfügen) nach wie vor wenig bis gar nicht zugänglich. Das hängt aber auch damit zusammen, dass es gerade für diese Fächer sehr viele Studienplatzbewerber mit Abitur gibt. Und selbst von denen werden nicht alle sofort genommen (wegen NC usw.).


Das stimmt nicht! Wer eine einschlägige, dem Studienfach nahestehende Berufsausbildung hat hat nahe zu freien Zugang zu den "normalen" Studienbewerbern. Meister bekommen ihr Studienplätze über eine bestimmte Quote ( meinst 4 %). Bei nicht dem Beruf nahestehenden Berufen und einer Zulassungsbeschränkung muss eine Zugangsprüfung absolviert werden, mit dieser Note nimmt man am Auswahlverfahren -gleichtwertig!!- mit den Abiturienten teil. Bei ZVS Fächern ist es ähnlich. Manchmal muss man sich auch nur mit der Note einer Zugangsprüfung ( alternativ manchmal auch nur TMS- von Hochschule zu Hochschule verschieden) bei der ZVS bewerben.
Es ist also durchaus möglich und vielfach werden einem gleiche Chancen eingeräumt wie den regulären Abiturienten. Und dafür ist das neue Gesetz ja auch da: Gleichstellung von Abitur und Berufsausbildung/Berufserfahrung.


Zitat:
Drei bis vier Jahre in einen Abiturlehrgang zu investieren kann sinnvoller sein, als ohne Abitur zu studieren, dann aber nach 3-4 Jahren abzubrechen, weil man den Anforderungen eines Studiums nicht gerecht wird, weil es vorne und hinten nicht reicht. Denn das, was man auf den Berufs-/Meisterschulen und auch im Beruf lernt, reicht - was die rein theoretischen Anforderungen betrifft - in keinem Fall als Grundlage aus, um damit eine Hochschulausbildung zu starten. Es müssen von Nichtabiturienten in jedem Fall zusätzliche Kurse absolviert werden (was wiederum Zeit kostet). Oft genug übrigens schon von Abituriente



Du sagst es ja selbst. Viele Abiturienten müssen ebenfalls diese Vorbereitungskurse besuchen. Das ist meiner Meinung nach aber kein Argument dafür auf jeden Fall ein Abitur haben zu müssen. Eher ein Armutszeugnis, für das deutsche Schulsystem. Was das Abitur vermittelt ist ein Allgemeinwissen. Und ganz ehrlich, jeder der sich auf den Hosenboden setzt kann sein Abitur erwerben.

Ich möchte mal ein kleines Beispiel geben: Ich habe einen Realschulabschluss, habe eine naturwissenschaftliche Ausbildung gemacht und nun vier Jahre Berufserfahrung. In meinem Abiturkurs habe ich nichts wirklich grundlegend neues gelernt ( mal von Mathe abgesehen). Nun bewerbe ich mich auf die Studiengänge Geowissenschaften und Chemie/Biotechnologie. Ich habe mir alle Module angesehen und mit den verantwortlichen Dozenten gesprochen. Und Ergebnis: ich könnte sofort einsteigen, weil ich alles notwendige Wissen habe. Und nichts davon, was für mein Studium relevant wäre habe ich von der Abiturvorbereitung. :wink:


Zitat:
Richtig ist: Absolventen des 2. Bildungsweges sind für gewöhnlich deutlich älter als Schulabsolventen. Drum halte ich es auch für relativ kühn, wenn man z.B. mit 28 Jahren noch ein Studium beginnen will, das man eventuell erst mit Mitte Dreißig abschließt. Zumal der heutige Arbeitsmarkt nach 25jährigen Hochschulabsolventen ruft und alles, was über 30 ist, oft schon "rein biologisch" durchs Raster fällt. Wer natürlich mehr für sich selber studiert, um seinen geistigen Horizont zu erweitern, der kann/soll es meinetwegen machen. Denn zum Lernen ist man im Prinzip nie zu alt. Das ist ein lebenslanger Prozess.


Da muss ich auch wieder sprechen. Ich weiß nicht, aus welcher Branche du kommst, aber ich arbeite in der Industrie. Da werden Leute gesucht du vorallem pfiffig, motiviert, engagiert, selbstständig und fachlich auf Zack sind. So 25 jährige "Jungspunde" die -böse gesagt- eigentlich noch nichts können und auch noch keine Erfahrung mit dem Handling ihres Jobs und Teamarbeit haben, werden da eigentlich nicht so gerne gesehen.

Wie Jennie habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Umdenken stattgefunden hat. Gerade in der Industrie wird vorallem darauf geachtet Know-How zu erhalten.
Ebenso ist man vorsichtig mit den Absolventinnen zwischen 25 und 35 J. die Wahrscheinlichkeit, dass nach dem Einarbeiten das erste Kind kommt ist groß.

Man muss sich immer im klaren sein, dass man bis 65-70 Jahre arbeiten muss und ich für meinen Teil möchte mich stetig weiterentwickeln und Spaß mit dem haben was ich mache. Ich finde, Beruf ist auch immer ein wenig Berufung und wen interessiert es, ob man mit 28,34 oder 39 sein Studium abgeschlossen hat?

Wie man seinen Lebensweg gestaltet, muss jeder selbst wissen. Aber jeder kann die Möglichkeiten nutzen, die einem in die Hände fallen. Ob jetzt mit oder ohne Abitur, Erfolg im Studium hängt von anderen Faktoren ab.

liebe Grüße,

Miriam


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BeitragVerfasst: Mo 03.01.2011 17:50
BenutzeravatarExtrem engagiertExtrem engagiertBeiträge: 348Registriert: Di 26.06.2007 00:15
Hallo, die Damen!

Naja, wenn Ihr wirklich glaubt, dass das Alter bei Einstellungen keine so große Rolle spielt, dann will ich Euch Eure Hoffnung mal nicht nehmen. :wink:

Habe übrigens - einfach mal so aus Spass und völlig unverbindlich - den "Borakel-Check" durchlaufen. Er soll Studieninteressenten Aufschluß darüber geben, welche Studiengänge für sie die richtigen sind. Für mich war das Ergebnis recht überraschend, denn in meinem Fall sind dabei Fächer herausgekommen, an die ich auf Anhieb gar nicht gedacht hätte bzw. von denen ich gar nicht wusste, dass es sie so überhaupt gibt.

Die mit Abstand größte Übereinstimmung zwischen meinen Interessen, Neigungen und den von mir im Fernlehrgang belegten Studienfächern (muss man vor dem "Check" alles angeben) und den an der Ruhr-Uni Bochum angebotenen Fächern hat in meinem Fall folgendes Ergebnis gebracht (die Übereinstimmung liegt bei ca. 95-98 %, ist also ziemlich eindeutig):

Platz 1: Sozialwissenschaften (Bachelor of Arts); 98%

Platz 2: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft (Bachelor of Arts); 97%

Platz 3: Kultur, Individuum und Gesellschaft (Bachelor of Arts); 96%

Platz 4: Management and Economics (BSc.); 95%

Den Test habe ich auch an fünf anderen deutschen Universitäten gemacht. Das Ergebnis ist im Prinzip dasselbe. Wahrscheinlichkeitsmathematisch ist es daher quasi gesichert, dass es - würde ich ein Studium aufnehmen wollen - in diese Richtung ginge.

In anderen Studiengängen erfülle ich - laut "Borakel-Check" - teilweise nur zu 60 % der unbedingt notwendigen und gewünschten Studienvoraussetzungen. Von technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen raten mir die Ergebnisse dringend ab (kein Wunder: habe ja auch Fächer wie Chemie und Physik komplett abgewählt). Meine "Eignung" für geistes- und kulturwissenschaftliche Studiengänge liegt bei 75-80 %, wobei hier besonders Fächer wie Philosophie und archäologische Studiengänge hervorstechen (allerdings müsste ich dafür das Latinium nachholen). Der Rest ist weit abgeschlagen - wie gesagt: maximal 60 %, teilweise aber auch noch viel weniger.

Ich fand den Test jedenfalls ganz aufschlussreich. Wenn Ihr Interesse daran habt, könnt' Ihr Euch selbst mal so einem Check unterziehen. Einfach unter "Mein Studiengang" auf "Fragebogen" klicken. Und los geht's:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/borakel/
:D

PS.: Viel Erfolg in 2011!
8)



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BeitragVerfasst: Mo 03.01.2011 18:09
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longlife hat geschrieben:
Hallo, die Damen!

Naja, wenn Ihr wirklich glaubt, dass das Alter bei Einstellungen keine so große Rolle spielt, dann will ich Euch Eure Hoffnung mal nicht nehmen. :wink:


Hallo der Herr, :mrgreen:

dass das Alter gar keine Rolle spielt habe ich nicht gesagt, aber ich kann (nach jahrelanger Arbeit in einer Personalabteilung) dir sagen das auf das Alter nicht mehr so viel Wert gelegt wird wie noch vor 10 Jahren. Glaub es oder nicht, deine Sache.

Aber du wirst sicher nachvollziehen können, das diese "am liebsten 25-jährige Studienabsolventen" wohl nicht unbedingt für Frauen gilt. Wenn es eine wirkliche altermäßige Diskriminierung bei Personaleinstellungen gibt dann die "Frau im gebärfähigen Alter". :wink:

edit: Dir natürlich auch ein erfolgreiches 2011! :D



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BeitragVerfasst: Mo 03.01.2011 18:43
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Jennie hat geschrieben:
longlife hat geschrieben:
Hallo, die Damen!

Naja, wenn Ihr wirklich glaubt, dass das Alter bei Einstellungen keine so große Rolle spielt, dann will ich Euch Eure Hoffnung mal nicht nehmen. :wink:



Aber du wirst sicher nachvollziehen können, das diese "am liebsten 25-jährige Studienabsolventen" wohl nicht unbedingt für Frauen gilt. Wenn es eine wirkliche altermäßige Diskriminierung bei Personaleinstellungen gibt dann die "Frau im gebärfähigen Alter". :wink:



Das stimmt. Das habe ich nicht bedacht. Bin halt keine Frau. :wink:

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BeitragVerfasst: Do 06.01.2011 02:23
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miriam hat geschrieben:

Wer eine einschlägige, dem Studienfach nahestehende Berufsausbildung hat hat nahe zu freien Zugang zu den "normalen" Studienbewerbern. Meister bekommen ihr Studienplätze über eine bestimmte Quote ( meinst 4 %). Bei nicht dem Beruf nahestehenden Berufen und einer Zulassungsbeschränkung muss eine Zugangsprüfung absolviert werden, mit dieser Note nimmt man am Auswahlverfahren -gleichtwertig!!- mit den Abiturienten teil. Bei ZVS Fächern ist es ähnlich. Manchmal muss man sich auch nur mit der Note einer Zugangsprüfung ( alternativ manchmal auch nur TMS- von Hochschule zu Hochschule verschieden) bei der ZVS bewerben.
Es ist also durchaus möglich und vielfach werden einem gleiche Chancen eingeräumt wie den regulären Abiturienten. Und dafür ist das neue Gesetz ja auch da: Gleichstellung von Abitur und Berufsausbildung/Berufserfahrung.




Was sind bitte schon 4 %? Das bedeutet schließlich nichts anderes, als 96 % der Studienfächer auch weiterhin nur an Bewerber mit (Fach-)Hochschulreife vergeben werden. Von einer "Gleichstellung" von Abiturienten und Bewerbern mit abgeschlossener Berufsausbildung und/oder Berufspraxis kann deshalb aus meiner Sicht nicht die Rede sein. Das sind und bleiben (leider) absolute Ausnahmen. :|

Übrigens werden Leute, die berufsnah studieren möchten, also einen Studiengang wählen, der ihrer beruflichen Qualifikation bzw. ihren praktischen Vorkenntnissen entspricht, in der Regel eh kein Abitur anstreben. Allein schon deshalb nicht, weil in solchen Fällen oft bereits die Fachhochschulreife (im Volksmund: "Fachabitur") völlig reicht - und zudem in kürzerer Zeit erreichbar ist. Man muss nur bedenken, dass nicht jeder KFZ-Mechaniker nun unbedingt auch Maschinenbau und nicht jede Bürokauffrau zwangläufig Betriebswirtschaft studieren möchte. Was soll z.B. eine gelernte Floristin machen, die nicht Gartenbau, sondern viel lieber Medizin, Jura, Chemie oder Psychologie studieren möchte? Solche Leute sind in den (ohnehin lächerlichen) 4 Prozent nämlich gar nicht berücksichtigt. Und dies ist genau das, was ich in meinem Forumsbeitrag meinte.

Was mich vielmehr stört - dies möchte ich bei der Gelegenheit nicht unerwähnt lassen-, ist die Tatsache, dass Fernabiturienten mittlerweile mit Schulabiturienten "gleichgestellt" werden. Bis vor einigen Jahren gab es nämlich in etlichen Bundesländern noch eine (gesetzliche) Regelung, wonach Absolventen des 2. Bildungsweges automatisch bis zu vier Semester Wartezeit angerechnet bekamen; d.h. sie wurden gegenüber "normalen Abiturienten" bei der Vergabe von Studienplätzen sogar bevorzugt. Mittlerweile zählt für gewöhnlich nur noch die Zeit NACH dem Abitur als Wartezeit; der Fernabiturient muss also - obwohl er älter ist und in der Regel über Berufsausbildung/Berufspraxis verfügt, ggf. seinen Wehr-/Zivildienst abgeleistet hat (all dies in unserem Fall ja VOR dem Abitur geschehen) - im Prinzip genauso viel Wartesemester ansparen wie Absolventen der Gymnasien. Das finde ich absolut ungerecht, dass unsereins quasi mit einem 18jährigen auf eine Stufe gestellt werden würde. :evil: Zumal die Notendurchschnitte im externen Abitur ja im Allgemeinen etwas schlechter ausfallen als auf der Schule. Es soll allerdings auch Hochschulen geben, die Absolventen des 2. Bildungsweges von sich aus etwas entgegenkommen bzw. diesen 1 Semester Wartezeit oder so anrechnen. Das ist aber dann auf rein freiwillger Basis, d.h. man ist als "Spätabiturient" auf das Wohl und Wehe der jeweiligen Uni angewiesen. :?



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BeitragVerfasst: Fr 11.03.2011 09:43
Neu hierNeu hierBeiträge: 8Registriert: Mi 16.02.2011 15:37
Oh, ich möchte auch nochmal meinen Senf zu dem Thema "Studieren ohne Abitur" dazu geben.
Ich bin eine bekennende Abbrecherin eines berufsaufbauenden Studiums.

Nach einem sehr guten Realschulabschluss habe ich eine medizinisch-technische Ausbildung mit sehr gut absolviert. Zu meinem Start in der Ausbildung wurde gerade öffentlich darüber diskutiert, ob man diese Ausbildungszweige nicht für Realschulabsolventen sperren sollte. Zugang sollte nur noch mit Fachabitur/Abitur gehen. Ich habe in der Ausbildung besser als die Abiturienten abgeschlossen und war total beflügelt nach 2 Jahren Berufspraxis ein Studium aufzunehmen. Auch die FH hat mich sofort genommen. Dafür hatte ich meinen ersten Versuch des Fernabiturs nach 24 Monaten aufgegeben, es ging ja einfacher.
Das erste Semester war dank der Ausbildung gut machbar. Im zweiten Semester musste ich in eine Nachprüfung, ab dem dritten Semester ging nichts mehr. Die Leute mit Abitur zogen ohne mit der Wimper zu zucken an mir vorbei. Die Erfahrung des wissenschaftlichen Arbeitens bietet eine Ausbildung und vor allem die Realschule nämlich nicht und das ist auch nichts was man mal eben nebenher erlernt. Diese Tatsache merkt man aber erst wenn man schon mitten drin steckt.

Ich sehe dem ganzen Gedöns mit Meister und Studium aber aktuell auch nochmals kritischer in die Augen. Mein Mann arbeitet in einer Meisterfachschule und entsprechendes Bundesland hat einfach mal den Notenschlüssel "angepasst". Auch unter dem Gesichtspunkt der niedrigen Geburtenraten, irgendwie muss man die Menschen ja auch in den folgenden Jahren an die Unis/Fhs/Meisterschulen bekommen. Die Qualität wird aber sehr schnell aneinander prallen.
Auf entsprechenden Fachmessen zum Thema "Lebenslanges Lernen" wird auch immer weiter darauf eingegangen das gerade Frauen nach der Familienplanung eine gute Situation bevorsteht, wenn man bereit ist nicht auf der Stelle zu schwimmen.

Ich hätte mit 24 nämlich auch super in meinen Beruf zurück gehen können, aber auch ich hatte mich dann lieber erst, auch zur weiteren "Neuorientierung", für die Babypause entschieden.
Als Frau hat man da doch anders seine Termine zu planen. Und wenn man dann eher "früh" seine Familienplanung abgeschlossen hat, sehe ich auch keinerlei Probleme sich in Richtung Mitte/Ende 30 umorientiert zu haben. Klar, bei Männern sieht es anders aus bzw. wird es einfach noch anders erwartet...

Ach und diese 4% sind auf die typischen berufsnahen Studiengänge mit etwa 30-80 Studienplätzen auch ein Witz.

LG, Steffi


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BeitragVerfasst: Fr 11.03.2011 23:35
BenutzeravatarExtrem engagiertExtrem engagiertBeiträge: 348Registriert: Di 26.06.2007 00:15
soafi hat geschrieben:
Das erste Semester war dank der Ausbildung gut machbar. Im zweiten Semester musste ich in eine Nachprüfung, ab dem dritten Semester ging nichts mehr. Die Leute mit Abitur zogen ohne mit der Wimper zu zucken an mir vorbei. Die Erfahrung des wissenschaftlichen Arbeitens bietet eine Ausbildung und vor allem die Realschule nämlich nicht und das ist auch nichts was man mal eben nebenher erlernt.



Das ist richtig. Wobei man sagen muss, dass auch das (Fern-)Abitur nicht unbedingt eine ausreichende Grundlage für ein Hochschulstudium darstellt. Ich habe Kontakt mit drei ehemaligen ILS-Fernabiturienten, die jetzt studieren. Und alle drei haben - sofern ich dies ihren Äußerungen entnehmen konnte - ganz gewaltige Schwierigkeiten an der Uni. Und zwar nicht, was die Fähigkeiten zum wissenschaftlichen oder selbständigen Arbeiten betrifft - diese Fähigkeiten sind bei Fernabiturienten durchaus vorhanden -, sondern was die inhaltlichen Anforderungen betrifft. Vor allem in Mathe. Viele meinen ja immer, die ILS-Abiturmathematik sei besonders anspruchsvoll. Aber die ILS-Mathehefte scheinen wohl eher Kinderkram zu sein, jedenfalls im Vergleich zur Hochschulmathematik.

8)


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BeitragVerfasst: Sa 12.03.2011 09:11
BenutzeravatarExtrem engagiertExtrem engagiertBeiträge: 629Wohnort: NRWRegistriert: Di 13.03.2007 16:12
longlife hat geschrieben:
Viele meinen ja immer, die ILS-Abiturmathematik sei besonders anspruchsvoll. Aber die ILS-Mathehefte scheinen wohl eher Kinderkram zu sein, jedenfalls im Vergleich zur Hochschulmathematik.

8)


Die ILS Mathehefte sind im Vergleich zur Schulmathematik (!) durchaus sehr anspruchsvoll. Ich hab da gerade den perfekten Vergleich, meine Schwester schreibt in 2 Monaten ihr Schulabitur in Mathe GK, ich werde ca. einen Monat später mit allen Heften fertig sein. :wink:

Und wenn ich meinen Bekannten glauben darf die Mathematik studieren, dann fällt man auch als "normaler" Abiturient (mit guten oder sehr gutem Mathe LK) bei der Hochschulmathematik erstmal vom Glauben ab.

Ich denke also nicht, dass dieses Phänomen speziell die Fernabiturienten betrifft.

Wenn man sich in den anderen Studiengängen umhört (Sprachen, Geisteswissenschaften, Jura, Medizin) dann stehen die Fernabiturienten vergleichsweise gut da, denn vernünftige Selbstorganisation, Eigenmotivationsfähigkeit und Disziplin bekommt man im regulären Abitur nicht gelehrt.

Und zum Glück will ja nicht jeder Mathematik studieren. :mrgreen:



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