Autor Nachricht

<  Tipps und Erfahrungsberichte  ~  Fernabitur ohne Fernschule

BeitragVerfasst: Di 12.07.2005 10:54
Folgende Gedanken wollte ich noch loswerden.
Der lerntechnisch einfachste und auch sicherste Weg zum Abitur ist sicherlich der an einer Ganztags-Präsens-Schule, für Erwachsene also die Kollegs (=Hessen-Kolleg usw.). Ein heftiges Gegenargument ist natürlich der Verdienstausfall.
Am Abendgymnasium hat man keinen Verdienstausfall, aber die Belastung ist wohl noch höher als im Fernkurs, weil man ja an einen festen Plan gebunden ist. Wenn ich mir vorstelle, dass ich bis zu einem festen Termin ein bestimmtes mathematisches Problem zu kapieren habe (=was mir ein ständiger Begleiter während des ganzen Kurses war), so dass ich also noch viele Übungen nebenbei aus anderen Büchern machen muss, dabei unbedingt noch ein paar andere Sachen wiederholend lesen müsste, vielleicht noch ein Referat schreiben müsste und eigentlich ja auch noch den Roman fertig lesen muss … der Fernschüler sagt da einfach: Gut „Ding will Weile haben.“
Das Hauptproblem beim Fernunterricht ist wohl die viele Zeit, die investiert wird um etwas bestimmtes zu kapieren, wobei ein Präsenslehrer einfach sagt: „Das muss man gar nicht genau verstehen, da merkt man sich dieses oder jenes Verfahren und das reicht“. Selbst zu entscheiden, was wirklich wichtig ist oder was man nur mal allgemein verstanden haben muss oder ganz links liegen lassen kann – dass ist das schwierigste am Fernunterricht. Natürlich abgesehen von der ganz speziellen Lernart.

Ich glaube, dass man sich nur mit Büchern und evtl. Nachhilfe auf das Abitur vorbereiten und auch zur Prüfung zugelassen werden kann. In der „Westerwälder Zeitung“ stand vor zwei oder drei Jahren ein Artikel, in dem das Kultusministerium von Rheinland Pfalz Interessenten suchte, die extern den Realschulabschluss nachholen. Es war eine Nummer gegeben, unter der man sich beim Kultusministerium die Prüfungsordnung schicken lassen konnte. Weiter wurde empfohlen, sich diese Ordnung durch einen Lehrer der Schule, an der man diese Prüfung ablegen wollte, erklären zu lassen und sich dann mit geeigneter Literatur vorzubereiten. Vielleicht lässt sich der Artikel finden unter www.Rhein-Zeitung.de und dann „Westerwälder Zeitung“ und „Archiv“.

Ich glaube, dies muss auch für das Abitur gehen. Die Fernschule hat entsprechend der Prüfungsordnung und mit der Erfahrung von Lehrern aus dem aktiven Schuldienst einen geeigneten Kurs zusammengestellt. Sie liest mit ihrer Erfahrung aus der Prüfungsordnung heraus, was man braucht. Sie überprüft die Themenliste. Die muss richtig in die Breite und in die Tiefe gehen und auch sonst bestimmten Anforderungen genügen. Sie nimmt einen den ganzen Anmeldungskram ab und ist ja auch vertraglich verpflichtet, das ihre zu tun, also immer richtig zu beraten.

Die Anmeldung zur Prüfung muss außer der beglaubigten Kopie des Personalausweises und einen Beleg über die eingezahlte Prüfungsgebühr (=so 240 €) den Nachweis einer ausreichenden Vorbereitung enthalten.
Dies ist:
• Ein Bildungslebenslauf, in der ein Selbstausgebildeter dann neben der Bücherliste jeden VHS-Kurs, Sprachurlaub oder sonst etwas neben seinem sonstigen Schulweg aufführt, am Besten noch mit Zertifikaten, falls man so was hat. Der Hinweis auf Nachhilfe bei einem Studenten oder Studierten ist sicherlich auch gut.
• Die Themenliste. Als Selbstausbilder musst Du sehen, dass Du vielleicht, wenn Du beginnst und auf alle Fälle vor der Anmeldung, mit Deinen zukünftigen Prüfern redest, also beim Direktor des entsprechenden Gymnasiums vorsprichst (=welches Du Dir aussuchen kannst!). Dazu am Besten schon eine fertige Themenliste mitbringen, die Du vielleicht schon mit einem frisch gebackenen Abiturienten dieses Gymnasiums erstellt hast (=Du findest sicher einen, der dies für den Preis von ein paar Nachhilfestunden macht).
• Als Selbstausbilder würde ich eine Bücherliste beilegen. Für die Sprachfächer gibt es lt. Prüfungsordnung einen Kanon an Pflichtlektüre, von der man bestimmtes oder ein bestimmtes Maß kennen muss. Ich würde auch für jedes Fach mindestens ein vorbereitendes und ein Buch mit Prüfungsaufgaben des entsprechenden Bundeslandes angeben (=und wirklich auch durchgearbeitet haben). Im Stark Verlag gibt es solche Bücher. Man kann sie auch bei Amazon gebraucht bekommen.
• Für die 2 Fremdsprachen würde ich mindestens je einen renommierten Kassettenkurs angeben, besser noch nebenbei einen VHS-Kurs belegen, und wenn es ein Konservationskurs ist.

Ich denke, bei solchen Angaben, vor der Anmeldung abgeklopft mit den zukünftigen Prüfern, wird die Anmeldung durchgehen. Der Vorteil der Fernschule ist, dass Du Deine Themenliste vor dem Anmeldetermin dort einschickst und sie Mängel bemerken und Änderungen einfordern. Ein Externer kriegt seine Anmeldung vielleicht zu spät zurück und muß dann ein Jahr warten. Das weiß ich aber nicht. Du musst wohl auch beim zuständigen Schulamt vorsprechen. Bei der SGD-Prüfung war es das Schulamt Gießen.

Laut Prüfungsordnung darf die Abiturprüfung keine Wissensabfrage sein. Du musst die Grundprobleme der jeweiligen Wissenschaft und die wichtigen Fachbegriffe kennen, anerkanntes Wissen maßvoll als Prämisse einsetzen, ein geschildertes Problem erfassen und mit den richtigen Fachbegriffen beleuchten. Am meisten geht es wohl darum, dass Für und Wider abzuwägen und einen nachvollziehbaren Schluss zu finden.
In der Sprache musst Du entsprechend des Schwierigkeitsgrades (Grund- oder Leistungskurs) einen Text (=oft ein Zeitungsausschnitt, Sachtext, Gedicht oder Dramenausschnitt) verstehen und darüber reflektieren können, interpretieren, evtl. natürlich auch frei sprechend. Zu jeder Sprache gehören auch die Landeskunde und die Kenntnis aktueller Probleme des Landes. Der Fernkurs behandelt dies, aber es gibt auch viele Bücher.
Auch die vorbereitenden Bücher aus dem Stark Verlag haben wie die Fernstudienhefte einen erklärenden und einen Aufgabenteil. Der Selbstausbilder muss sich dann wohl auch mal Nachhilfestunden nehmen, in der ein Lehrer für die Zeit nur seine Aufgaben kontrolliert. Dabei kann der Schüler selbst nachschlagen, ob die Fakten stimmen. Der Lehrer muss zeigen, ob die Aufgabe richtig erfasst wurde, ob Aufbau, Stil und Grammatik nicht gravierende Schwächen haben.
Enorm wichtig: Arbeit am Text. Die Prüfer sehen sich auch den Aufgabentext und die Konzeptpapiere des Prüflings an (=man muss alles abgeben) und erkennen daran, wie die Aufgabe bearbeitet wurde, welche Textstellen bezüglich der Aufgabe markiert wurden, welche Notizen oder Gliederung der Prüfling gemacht hat.

Alles in allem: ich denke, es geht, aber es ist enorm schwierig. Ganz billig geht es auch nicht, da man sicher auch einige Bücher kaufen muss (=z.B.: Ein vorbereitendes und ein Prüfungsaufgabenbuch für jedes Fach sind schon 16 Bücher) sowie natürlich Nachschlagewerke (Wörterbücher, Atlas), Pflichtlektüre und Kassettenkurse für die Sprachen und sicher ganz ohne Nachhilfe nicht auskommt (= und wenn zum gelegentlichen kontrollieren von Übungsaufgaben).

Für einzelne Fächer fallen mir noch besondere Schwierigkeiten ein:
• Mathematik: Mir scheint es so, als gebe es verschiedene mathematische Sprachen, d. h. verschiedene Symbole für dieselbe Sache, unterschiedliche Herangehensweisen. Ich hatte das öfters erlebt dass ich ein Problem aus den Studienheften in einem anderen Mathematikbuch nachschlug und nichts als den berühmten Bahnhof verstand. Als Selbstausbilder sollte man vielleicht bei dem ersten Gespräch in der Schule schon nach einer Mathematikbuch-Empfehlung fragen.
• Sprachen sind immer arbeitsreich und schwierig. Vielleicht sollte man als Selbstausbilder auf alle Fälle zwei moderne Sprachen nehmen, die man auch in der VHS belegt. Den Lehrer dort kann man speziell zur Abiturvorbereitung befragen, dazu Zeitungen und Romane lesen (=auch gut für die Landeskunde und die aktuellen Probleme) und Filme sehen, um in die Sprache einzutauchen.
• Obwohl Latein schriftlich gelernt wird, ist es wohl im Fernkurs besonders schwer zu lernen. Bei mir war es neben Mathematik die Hauptsäule, und es hat gerade einigermaßen sicher für eine mündliche Prüfung gereicht. Beim Übersetzen ist das eigene Ergebnis immer höchstenfalls etwa treffend. Der Präsens-Lehrer (=das ist mir in den zwei Seminaren und in der Prüfung bewusst geworden …) legt unnachgiebig den Finger auf die Wunde und fragt nach den Formen. Dadurch merkt man, wo es hängt und worauf es ankommt. Auch lässt sich die Methode, den Satz vom Prädikat zu erschließen, schriftlich nicht sehr gut erklären. Ich denke, Latein sollte man nur nehmen, wenn man es wirklich braucht. Da kann ein Anruf bei der für später geplanten Uni schon sehr helfen. Für Sprachen- oder Geschichtsstudenten ist es sehr schwer, wenn sie an der Uni innerhalb eines Jahres noch das Latinum erwerben müssen, sie werden in dieser Zeit kaum noch etwas anderes machen. Mediziner müssen, wie ich gehört habe, nur eine abgespeckte Lateinversion kennen. Da muss man sich halt informieren.
• In Hessen kommt man neben Mathematik um eine Naturwissenschaft nicht herum. Wer da wie ich Biologie nimmt, kommt auch nicht um die Biochemie herum, auch wenn es gar nicht so interessiert. Beim SGD-Lehrgang gehörten zur Biologie zwei grundlegende Chemiehefte (organische und anorganische Chemie). Das muss ein Selbstausbilder bedenken.

Der Übersichtlichkeit halber möchte ich meine Schritte zum „Selbstausbilder“ – Externen – Abitur noch einmal zusammenfassen:

• Vom Kultusministerium die Prüfungsordnung schicken lassen, beim zuständigen Schulamt über den Prüfungsort sprechen.
• Bei dem Gymnasium vorsprechen und mit den Prüfern reden. Dabei am Besten schon für jedes Fach ein oder mehrer Bücher vorschlagen (=und/oder einen gebraucht gekauften Kurs), evtl. die Pflichtlektüre angeben und vom Prüfer Empfehlungen dazu erfragen.
• Evtl. VHS Kurse für die Sprachen belegen, zusätzlich zu einem Kassettenkurs.
• Evtl. Nachhilfe für die Korrektur von Übungsaufgaben und Abitursimulationen.
• Die Bücher durcharbeiten und sich nicht zu sehr an Kleinigkeiten festbeißen. Die Grundzüge verstehen, Fachbegriffe und wichtige Probleme kennen, in den Büchern wichtiges markieren und von ganz schwierigen Sachen Vokabel-, Begriffs-, Formen- oder Formelsammlungen anlegen.
• Rechtzeitig vor dem Termin zur Prüfungsanmeldung noch mal mit den Prüfern sprechen, die Themenliste und den Bildungslebenslauf vorlegen.
• Bei Unklarheiten über die Bestandteile zur Prüfungsanmeldung das Schulamt nerven. Es reicht, eine Kleinigkeit wie das Lichtbild vergessen zu haben und aus der Anmeldung wird nichts.

Ob man sich wirklich auf diese Weise auf das Abitur vorbereiten kann und ob die Anmeldung durchgeht, weiß ich nicht. Aber ich dachte schon während der Prüfung, dass es so gehen könnte und wenn ich es mit meinem heutigen Wissen über Abiturprüfungen so machen wollte, würde ich auf die beschriebene Weise vorgehen.


Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach:

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde
Seite 1 von 1
1 Beitrag
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste
Suche nach:
Ein neues Thema erstellen  Auf das Thema antworten
Gehe zu:  
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.
cron
Protected by Anti-Spam ACP